| Autor:In: | Stephen King, Roberto Aguirre-Sacasa |
| Zeichner:In: | Mike Perkins |
| Verlag: | Panini |
| Genre: | Endzeit, Horror |
| Seiten: | 288 |
| Format: | Hardcover |
| Preis: | 39,00 € |
Captain Trips liegt zeitlich bereits ein Stück hinter den Überlebenden, doch die Nachwirkungen der Pandemie sind noch lange spürbar. Das lässt den guten Teil der Menschheit jedoch nicht unterkriegen: Sie gründen eine neue Siedlung, die “Free Zone”. Neue Ankömmlinge werden mit offenen Armen begrüßt und integriert. Doch auf der anderen Seite, in Las Vegas, wird sich für den Ernstfall gerüstet. Dort wird versucht, ein skrupelloses Heer für den letzten Kampf aufzubauen. Angeführt von Randall Flagg.
Die Lage wird angespannter
Im dritten und letzten Band der Deluxe-Ausgabe von “The Stand” wird die Lage deutlich angespannter als noch im Vorgänger. Wir Leserinnen und Leser verfolgen gebannt, wie sich beide Parteien entwickeln und aufbauen. Natürlich stehen wir dabei emotional auf der Seite der Guten und teilen deren Absichten. Dennoch löst es eine gewisse Hilflosigkeit aus, zu sehen, wie sehr der Antagonist Randall Flagg alles unter Kontrolle hat und es der Gegenseite extrem schwer macht. Auch wie sich seine Manipulationen und seine Macht auf einzelne Figuren auswirken, ist faszinierend dargestellt.
Dazu kommen wieder sehr gut geschriebene Dialoge und Begleittexte. Einzig das für meinen Geschmack viel zu oft vorkommende “Foreshadowing” von King hat mich gestört. Damit meine ich das leichte Spoilern über Figuren durch die Erzählerstimme, noch bevor das Ereignis wirklich eintritt. Wenn eine Person die Gruppe verlässt und im Off-Text steht: “Das war das letzte Mal, dass sie ihn lebend gesehen haben”, nimmt das die Spannung vorweg. Das ist zwar sehr typisch für King, wurde mir in dieser Ausgabe aber etwas zu oft verwendet.
Was King von anderen Autoren unterscheidet
In “The Stand” zeigt sich hervorragend, was King schon immer von vielen anderen Autoren unterschieden hat: Er hat den Mut, Charakteren mit Beeinträchtigung eine besondere Geschichte und Tiefe zu geben. Ich habe das Beispiel Tom Cullen bereits in meiner Rezension zum zweiten Band erwähnt, möchte es hier aber noch einmal betonen. King schreibt diesen Figuren nicht nur eine Mitleids-Story, sondern gibt ihnen Verantwortung und setzt sie als entscheidende Elemente für die Handlung ein. Es sind Figuren mit echter Tragweite. Dabei tut er das, ohne es effekthascherisch wirken zu lassen. Er erzählt ihre Geschichte ganz natürlich. Das finde ich super stark und es zeigt die wahre humanistische Stärke von King.
Brutale Bilder
Vom grundsätzlichen Ton ändert sich “The Stand” im Finale ebenfalls. Wir bekommen deutlich mehr gewaltvolle Bilder zu sehen, wie etwa eine drastische Hinrichtung an einem Kreuz. Die Horrorelemente der Traumwelt haben sich in die Gegenwart verlagert und zeigen jetzt viel direkter, wozu Randall Flagg wirklich fähig ist. Grundlegend bleiben der realistische Zeichenstil sowie die unaufgeregte Kolorierung aber wie gehabt auf hohem Niveau.
Mein Fazit
Mit dem dritten Band von “The Stand” kommt die Comic-Umsetzung des Stephen-King-Klassikers zu ihrem Finale – und das hat es in sich. King geht sehr konsequent bei seiner Erzählung vor und lässt Charaktere dabei gerne mal über die Klinge springen. Dabei verliert er nie seine Identität und setzt weiterhin auf tiefgründige Figuren und spannende Dialoge, die wirklich zu fesseln wissen.
Einzig sauer aufgestoßen sind mir immer wieder die “hauseigenen Spoiler” von King selbst, die so mancher Szene ein wenig den Wind aus den Segeln nehmen. Dennoch ist “The Stand” definitiv eine extrem gelungene Geschichte, die zu Recht Kultstatus hat. Die Comic-Umsetzung ist, soweit ich es ohne Roman-Kenntnis beurteilen kann, sehr gelungen. Besonders gut fand ich, wie King am Ende noch einmal mit seinen Figuren spielt und gerade zwei wichtige Schlüsselrollen an Charaktere verteilt, bei denen ich damit absolut nicht gerechnet hätte. Das ist definitiv nicht üblich. Super gemacht – gerne mehr solcher Umsetzungen!
Meine Bewertung:
9/10 kleinen Patronenhülsen
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