| Autor:In: | Heinz Strunk |
| Zeichner:In: | Ully Arndt |
| Verlag: | Carlsen |
| Genre: | Drama / Krimi |
| Seiten: | 116 |
| Format: | Softcover |
| Preis: | 20,00 € |
Fritz Honka ist vom Leben gezeichnet. Sein tristes Dasein verbringt er hauptsächlich in der berüchtigten Hamburger Kiez-Kneipe “Der goldene Handschuh”. Dort versucht er immer wieder, Frauen aufzureißen und in seine Dachkammer zu verschleppen. Erst dort zeigt er dann sein wahres Gesicht und lebt eine Fantasie aus, die für die Damen zum absoluten Albtraum wird.
Vom Roman zum Comic
Ursprünglich hat Entertainer und Autor Heinz Strunk das Leben des Fritz Honka als gefeierten Roman veröffentlicht. Nun findet die wahre Begebenheit um den Kiez-Killer ihren Weg in die Comic-Regale. Zugegeben: Dies ist erst der Auftakt und der erste Band eines Zweiteilers. Ich muss an dieser Stelle erwähnen, dass ich die Romanvorlage nicht gelesen habe. Dennoch ist bekannt, dass sich Heinz Strunk eines gewissen Kultstatus erfreut – was nicht nur dem Erfolg von “Der goldene Handschuh” geschuldet ist.
Die Comic-Adaption fokussiert sich dabei stark auf die Erbärmlichkeit der Hauptfigur. Honka wird hier nicht als das “Böse in Person” eingeführt, sondern als gescheiterte Existenz am Rande der Gesellschaft. Seine verzweifelte Suche nach Anerkennung und Nähe versucht er mit Alkohol und falschen Versprechungen zu erkaufen.
Von Reich zu Arm
Neben der tristen Welt von Honka wird in Der goldene Handschuh parallel auch die Geschichte einer reichen Reeder-Familie erzählt. In dieser ersten Ausgabe treffen diese beiden extremen Welten (noch) nicht direkt aufeinander, aber das wird sicherlich noch geschehen. Viel erfahren wir über die Familie noch nicht, außer dass der Vater und Unternehmer emotional bereits sehr abgestumpft ist, von seinen Kindern enttäuscht scheint und wenig Lebensfreude besitzt.
Dreckige Bilder
Bei einer guten Comic-Umsetzung kommt es natürlich auch auf die passende Optik an. Und die sieht hier richtig gut aus – vor allem aber stimmig. Besonders der “dreckige” Aspekt des Hamburger Kiezes der 70er Jahre wird hervorragend vermittelt und erzeugt ein gewisses Unbehagen beim Betrachten. Auch wenn dies erst der Auftakt ist, wird schnell klar, dass der Comic in Sachen Ekligkeit im zweiten Band sicher noch eine Schippe drauflegen wird.
Der Zeichenstil ist eine interessante Mischung aus Realismus und Cartoon. Dabei werden immer wieder dünne und dicke Striche verwendet, die fast schon skizzenhaft wirken. Das sorgt für eine passende Unruhe in den Bildern, ohne dabei zu sehr auszuarten.
Mein Fazit
Ich bin fast ohne Vorwissen in den ersten Band von Der goldene Handschuh gegangen – die Person Honka war mir ein Begriff, den Roman kannte ich jedoch nicht. Ich wurde nicht enttäuscht.
Die Erzählweise ist stringent und unverblümt dreckig. Genau das Richtige für die Comic-Umsetzung dieses True-Crime-Stoffs. Auch die Optik hat mir sehr gut gefallen und fing die Atmosphäre perfekt ein. Man merkt zwar, dass dies “nur” der erste Band eines Zweiteilers ist, der erst zum Ende hin so richtig in Fahrt kommt, aber er baut die bedrohliche Stimmung hervorragend auf.
Meine Bewertung:
9/10 kleine Biergläser
Hierbei handelt es sich um ein Rezensions-Exemplar.
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