| Autor:In: | Mark Millar |
| Zeichner:In: | J. G. Jones |
| Verlag: | Panini / Image |
| Genre: | Superhelden |
| Seiten: | 192 |
| Format: | Softcover |
| Preis: | 19,90 € |
Wesley Gibson führt ein recht armseliges Leben. Er lässt sich von allen herumschubsen, seine Freundin betrügt ihn, und sein Chef macht ihm das Leben zur Hölle. Doch das ändert sich schlagartig, als er erfährt, dass sein Vater ermordet wurde. Dieser war jedoch kein Niemand, sondern ein berüchtigter Superschurke. Nun wird es Zeit für Wesley, in dessen Fußstapfen zu treten.
Eine Welt ohne Superhelden
Nehmen wir mal an, alle Superschurken hätten sich verbündet und gemeinsam gezielt alle Superhelden der Erde vernichtet. Dann hätten wir die Prämisse von Wanted. Denn genau so hat es sich Autor Mark Millar für diesen Comic erdacht: Eine Welt, die von Superschurken regiert wird. Doch wie wir sicherlich ahnen, kann das nicht nur für die restliche Bevölkerung nichts Gutes bedeuten, sondern auch für die Superschurken selbst. Denn wem kann man in so einer Riege schon trauen? Es sind schließlich zwielichtige Verbrecher mit den absolut bösesten Absichten. Genau damit spielt der Autor auch – dennoch für meinen Geschmack etwas zu wenig.
Ein Meer an Unsympathen
Charakterentwicklung und Figuren, mit denen man sich identifizieren kann, sucht man in diesem Comic vergebens. Ich sage es mal so salopp: In Wanted gibt es nur Arschlöcher, und das macht es den Lesenden nicht einfach. Denn selbst die Hauptfigur mutiert vom Loser zum arroganten Mörder ohne Moral. Generell werden Zivilisten durchgehend sinnlos umgebracht oder misshandelt. Ohne Konsequenzen für die Superschurken, denn wer soll sie auch aufhalten, wenn sie die Zügel im Hintergrund halten? Dadurch baut sich auch keine richtige Spannung auf, da es für die Antagonisten (die hier die Protagonisten sind) kaum eine Bedrohung gibt. Außer durch die eigenen Reihen – aber selbst da will der Funke nicht so recht überspringen.
Mordlustige Bilder
Die grafische Darstellung von Wanted, umgesetzt von Zeichner J.G. Jones, lässt sich in eine ähnliche Riege wie die Comics The Boys oder Preacher einordnen. Nichts Revolutionäres, aber dennoch sehr stimmig. Gerade bei Actionszenen kann der Comic glänzen. Da sind schon mal beeindruckende Panels dabei, wenn Wesley seine Kräfte spielen lässt. Das ist dann natürlich mit viel roter Farbe gestaltet, aber dennoch nie komplett übertrieben cartoonig, sondern mit einem Hang zum Realismus in der Darstellung. Soweit es das Setting eben zulässt.
Mein Fazit
Wanted gehört definitiv zu den Comics, die absoluten Kultstatus genießen, und zur Veröffentlichung Anfang der 2000er war er auch definitiv etwas Besonderes. Ich rechne es dem Künstlerteam hoch an, dass sie mit diesem Setting etwas Einzigartiges geschaffen haben. Aber leider war es das auch. Die Handlung gibt für mich nicht viel her außer der frischen Ausgangslage. Ich hätte mir an vielen Stellen etwas mehr Mut und Tiefgang gewünscht als nur “Wir sind eben böse”. Das hätte einen viel tieferen psychologischen Effekt gehabt. Was hätte das mit uns Leserinnen und Lesern gemacht, würden wir wirklich mit den Figuren eine Beziehung aufbauen und unseren eigenen Moralkompass hinterfragen, weil wir diese Figuren mögen? Doch das geht nicht auf. Jedes Mal, wenn die Handlung einen Moment aufbaut, in dem dieser Zwiespalt kommen könnte, rudert der Comic zurück in die reine Provokation.
Schade, da wäre einfach so viel mehr möglich gewesen. Wer hat sich nicht schon immer gefragt: Was wäre, wenn die Superschurken zusammenarbeiten würden und zahlenmäßig überlegen wären? Die Prämisse ist super, aber die Umsetzung war leider nur in Ordnung. Optisch gibt es für mich hingegen nichts zu meckern.
Meine Bewertung:
7/10 kleine blutige Einschusslöcher
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