-oder-

Die Definition von Wahnsinn ist immer wieder das gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.

7th Continent ist eines der ambitionsreichsten Kickstarterprojekte die ich unterstützt habe.

Unendlich viele Karten, die auf verschiedene Arten benutzt werden, viele verschiedene „Abenteuer“, verschiedene Charaktere, eine riesige Insel die es zu erkunden gilt…alles in allem befinden sich in dieser Box viele hundert Spielstunden in denen es immer wieder neues zu erleben gibt.

Man startet auf einem Feld mit einem Landschaftsbild und verschiedenen Zahlen. Jede Zahl steht für eine Aktion.
Erkunde ich die abgedruckten Tierspuren, klettere ich auf den Berg oder, moment mal, da in dem Gras ist ein Trampelpfad und der ergibt eine Zahl…
…steht das für ne Karte die ich anschauen kann? Ja! Also wie ein richtiges Abenteuerbuch (z. B. Insel der 1000 Gefahren) und deshalb gehe ich nach Norden und decke Karte 273 auf und schau mal was ich das so finde. Auf dem Weg dorthin muss ich aber erst noch an einer „Gefahrenkarte“ vorbei, denn es kann auf dem Weg so einiges passieren.

Egal was ich tu, alles ist mit einer gewissen Anstrengung verbunden und benötigt einen erfolgreichen Skill-Test. Diese Tests sind der Kernmechanismus des Spiels. Ich decke von meinem Aktionsstapel eine vorgegebene oder manchmal auch (frei) wählbare Anzahl auf und hoffe, dass da die benötigten Erfolge drauf sind. Wenn nicht können gar fürchterbare Dinge passieren…

Aber nicht nur dann, nein, denn wenn der Stapel durch ist wird er einfach umgedreht und neu benutzt…ab dann sind die „effektlosen“ Fluchkarten aber tödlich. Ziehe ich so eine während ich vom Ablagestapel ziehe ereilt mich ein grauenhafter Tod.

…und Stunden um Stunden des Erkundens waren umsonst und die erkundeten Karten warten darauf erneut „erkundet“ zu werden.

Und so beginnt Sisyphus die immer gleichen Karten zu erkunden, mantra-artig seinen Aktionsstapel zu bearbeiten, immer die gleichen Jagdgründe zu erschöpfen um sich ein bisschen Zeit zu erkaufen, bis man endlich mal was neues sieht.

So schön der pitch zu dem Spiel auch war, nach dem x-ten Tod und der Aussicht auf die nächsten Stunden ewig das gleiche (jagen um meinen Aktionsstapel aufzufüllen – bis mich irgendwann die Ungeduld packt und ich losziehe und dann doch wieder draufgeh) haben mich leider relativ schnell auf den Boden der Tatsachen geholt. Es gibt eine riesige Anzahl an verschiedenen Abenteuern und Erweiterungen aber alles spielt auf der ewig gleichen Insel. Klar, entdecke ich immer wieder was neues weil ich wo anders hin muss, aber wie viel Spaß bringt es mir pro Abenteuer 10+ Stunden aufzuwenden und nach dem ersten Fluch immer nur ca. 10-20% an neuen Dingen zu finden während die restliche Zeit einfach nur mit dem mechanischen Abhandeln des reinen Überlebens drauf geht?

Boah, da spiele ich lieber irgendetwas das mir wirklich ein neues Spielerlebnis bietet oder ich wende mich Spielen zu (wie z.B. Robinson Crusoe) die zwar weniger „Erkundungsmöglichkeiten“ bieten aber dafür auch weniger Spielzeit benötigen, ohne dabei thematische Tiefe zu vermissen.

Also, wenn ihr demnächst schweiß gebaded aus einem Traum von einem fremden Land aufwacht, hat euch entweder Cthulhu in seinen Fängen oder ihr solltet schnellstens die schwarze 7th Continent Box auspacken und den Fluch lüften. Dabei werdet ihr dann auch feststellen ob es ein Spiel für euch ist oder nicht. Denn eine pauschale Aussage traue ich mir beim besten Willen nicht zu…

Roll One – A Board Game Story  Der Wöchentliche Blog Roll One – A Board Game Story, erscheint jeden Mittwoch neu, geschrieben von Mr.Schnizzl