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September 15, 2019

Thematische Immersion -oder- Ich bin ein Hühnchen. Gack. Gack.

Irgendwie wünschen wir uns alle doch etwas in andere Welten abzutauchen, oder? Genau deswegen kommen thematische Spiele auch so gut an. Je besser die Story oder das Spielerlebnis desto gut.

Gleichzeitig ist aber auch gerade das ein sauschweres Unterfangen diese Welt zu erschaffen und aufrecht zu erhalten. Das beste Beispiel sind die zahllosen Sci-Fi und Fantasy Direct-to-DVD Filmveröffentlichungen oder Billig-Romane die gepresst/gedruckt werden nur um irgendwann auf Rabatt-Tischen verscherbelt zu werden.

Bei Spielen ist das nicht wirklich einfacher. Um gegen die Aktivität des Spielens und gegen die verwendeten Mechaniken anzukämpfen braucht es schon eine wirklich gute Idee.

Das einfachste sind social deduction oder Rollenspielelemente:
Gib dem Spieler einen Charakter den er entwickeln oder darstellen kann und schon wird sich der Spieler leichter in die Welt saugen lassen. Das gleiche gilt ebenso für stark kommunikativ ausgelegte Spiele. Hier verschwindet die Grenze noch schneller und man findet sich in einer Rolle wieder.

Und was ist jetzt mit Spielen die nicht auf diese Elemente setzen? Gibt es auch mechanisch-thematische Spiele?

Da wird es schon schwerer… denn ein Spiel ist und bleibt ein Spiel. Ich sitze an einem Tisch und schmeiß mit Würfeln um mich und stehe nicht in einem Verließ und prügle auf einen Hobgoblin ein.

Jetzt brauchen wir also ein Spiel wo wir Dinge tun die der Charakter auch tun würde. Hier bieten sich dann z.B. Handelsspiele an. Wenn die gut gemacht sind… Tjaaahahahaaa… Ok, so einfach will ich es mir dann doch nicht machen. Ich hab natürlich ein paar Beispiele dabei:

Captain Sonar oder auch das kommende U-Boot sind Spiele in denen man ein Uboot steuert.

In Captain Sonar stehen sich zwei Crews aus jeweils 4 Spielern gegenüber. Der eine kommandiert, der andere überwacht die Maschinen, der dritte ist zuständig für die Waffen und der vierte belauscht den Gegner und versucht herauszufinden wo er sein könnte.

In Uboot sind wir alle auf einem Uboot und jeder Spieler hat seine Rolle um uns eine erfolgreiche Feindfahrt und eine sichere Heimkehr zu ermöglichen. Hier müssen Kurse berechnet, mögliche Ziele per Silhouette identifiziert, Moral und Schichtdienst verwaltet werden…

Beide höchst HÖCHST thematisch.

Wer weniger auf Krieg als auf Polizeiarbeit steht dem kann ich Sherlock Holmes Criminal Cabinet, Detective oder Mythos Tales ans Herz legen.

Hier bekommen wir einen Fall und müssen diesen mit klassischer Ermittlungsarbeit lösen. Sherlock Holmes und Mythos Tales spielen im viktorianischen London, sprich wir müssen Zeitungsartikel lesen, durch die Stadt laufen, Zeugenaussagen aufnehmen, Klinken putzen…
…in Detective befinden wir uns in der moderne und tun quasi das gleiche nur mit Internetunterstützung, sprich wir googlen uns unsere Lösung auch zusammen. Ein einmaliges Erlebnis und ganz ehrlich, die Grafiken, Würfel und Karten anderer Spiele mögen noch so toll und aufwändig sein, an dieses Spielgefühl kommt kaum was anderes ran.

So, zum Abschluss hau ich jetzt noch was raus womit keiner rechnet.

Ein weiteres überaus thematisches Spiel ist ein abstraktes. WHAAAAAT?

Onitama, eine kleine Schachvariante in der zwei Meister mit je 4 Schülern gegeneinander antreten und entweder die Kung Fu Schule des gegenübers einnehmen oder den gegnerischen Meister besiegen müssen. Der Clou ist, dass jede Figur die gleichen Fähigkeiten hat. Diese werden durch Karten gesteuert die offen ausliegen. Jeder Spieler hat zwei vor sich und eine in der Mitte. Hat man eine Figur durch eine dieser beiden vor mir liegenden Karten bewegt tausche ich diese Karte mit der in der Mitte liegenden aus, sprich mein Gegner bekommt nach seinem Zug diese Karte die ich gerade noch benutzt habe. Und wenn ich irgendwann verloren habe, dann mit dem schlechten Gewissen, dass ich diesen Zug ermöglicht habe.

Was ist daran jetzt thematisch? Von der grafischen Gestaltung (auf den Karten sind Tiere (bzw. Tier-Stile durch Schriftzeichen dargestellt) möchte ich nicht anfangen, aber jedes der verwendeten Tiere bewegt sich so wie es in traditionellen Kung Fu Stilen umgesetzt wurde bzw. hat die selben Charakteristika die ihnen schon seit Generationen von Kung Fu Schulen und Meistern zugesprochen werden. Einfach super.

So, belassen wir es mal dabei.

Das war mein heutiger geistiger Erguss zum Thema „thematische Mechniken“. Schalten das nächste Mal wieder ein, wenn es heißt:

„Abstruse Begriffsdefinitionen bis zur Unkenntlichkeit gedehnt“

Roll One – A Board Game Story  Der Wöchentliche Blog Roll One – A Board Game Story, erscheint jeden Mittwoch neu, geschrieben von Mr.Schnizzl