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November 30, 2020

Doppelt hält besser

Heute darf ich euch wieder mit einer meiner heiß geliebten, sehnlichst nachgefragten und hoch dekorierten Doppelreviews beglücken.

Warum? Weil ich es kann… Nein, eigentlich eher weil wir dieses Mal wieder zwei kleine Spiele haben die wir uns anschauen möchten.

Beides sind quasi schon alte Hasen unter den „Kleinen“ und beide stammen aus dem Hause NSV.

Land unter

von Stefan Dorra ist ein Spiel für 3-5 Spieler ab 10 Jahren, kostet 8,95€ und dauert lt. Schachtel ca. 30 Minuten.

Gleich vorneweg:

Bei uns ging die Spielzeit eher gegen 45 Minuten, allerdings war das vermutlich der Besetzung geschuldet.

Gleichzeitig ist das bei den größeren Runden auch mein Kritikpunkt am Spiel. Denn ein kompletter Durchgang wird dann schon etwas länger als er vielleicht sein sollte. Da stellt sich mir die Frage ob es nicht auch 8-10 Runden je Durchgang getan hätten. Das darf ja ruhig mit steigender Spielerzahl weniger werden…

Gleichzeitig hätte ich mir aber gewünscht, dass die Spielerzahl zumindest bis 6 Spieler geht. Klingt jetzt ein bisschen schizophren, oder?

Das Material ist mal wieder, wie man es vom NSV gewohnt ist, super. Ganz ehrlich, wenn ein Spielkartenverlag keine gescheiten Karten herstellen könnte, dann wüsste ich auch nicht… Also wie gesagt, Schachtel top, Karten top, Anleitung kurz und knackig. Was will man mehr?

Das Thema ist absolut beliebig und unwichtig, was aber hier auch keine Rolle spielt, denn wir haben einen schönen Mechanik-Mix: eine Mischung aus dem klassischen Schnauz (oder Schwimmen), „6 nimmt“ vom Mitbewerber und einem Draftmechanismus.

Der Ablauf ist folgender:

wir bekommen 12 (Wetter-)Karten verdeckt ausgeteilt. Anhand der oben abgebildeten halben und ganzen Ringe errechnen wir unsere Anzahl an Leben. Wenn man keines mehr hat „schwimmt“ man, verliert man dann noch eins ist man raus.

Zusätzlich werden dann 2 offene Karten des Flut-Stapels ausgelegt.

Jetzt muss sich jeder geheim für eine seiner Karten entscheiden und diese verdeckt auslegen. So bald das alle getan haben werden die Karten umgedreht und derjenige der die höchste Ausgelegt hat bekommt die höhere der beiden Flutkarten, der mit der zweithöchsten die andere.

Das ist der Part der mich an „6 nimmt“ erinnert hat.

Zum Schluss muss derjenige der die höchste Flutkarte ausliegen hat einen Rettungsring umdrehen (ein Leben verlieren).

Das ganze geht 12 Runden lang, wobei allerdings die Flutkarten liegen bleiben und sollte man eine neue bekommen überdeckt diese die alte.

Wer nach den 12 Runden dann noch Rettungsringe hat bekommt entsprechend viele Punkte, bei keinem gibt’s nix und wer ausgeschieden ist verliert einen Punkt. Wer die niedrigste Flutkarte ausliegen hat bekommt noch einen Extrapunkt.

Nach diesen 12 Runden werden die Karten nicht wieder gemischt sondern man gibt die Karten die man in den 12 Runden gespielt hat gesammelt an den Spieler zur linken weiter. Quasi der Draft-Part…irgendwie.

Klingt relativ unspektakulär, ist aber ähnlich wie bei Schnauz prädestiniert für „eine Runde geht noch“.

Für mich die gelungene Alternative zum klassischen Schnauz, Schwimmen, wie ihr es nennen wollt… mit der Einschränkung, dass eine komplette Partie 12 Durchgänge mal Anzahl der Spieler etwas länger ist als es sein sollte.

Geht man alleine nach den Zahlen, dann hat unser zweites Spiel

Basari

 

relativ viel mit Land Unter gemein:

Spieler: 3-5

Alter: ab 10 Jahren

Preis: 8,95€

Dauer: ca. 30 Minuten

Reinhard Staupe hat uns hier in eine kleine Schachtel relativ viel hineingepackt, nämlich 60 Karten und einen Haufen Edelsteine.

Der Vollständigkeit halber gehe ich natürlich noch auf das Material ein, auch wenn ich nichts neues berichten kann.

Gute Schachtel, Erstklassige Karten, gute Edelsteine. Das ist so diese Standardform wie man sie aus vielen Spielen kennt, also stabil und bewährt.

Das Artwork finde ich sogar nochmal unspektakulärer und unaufgeregter als bei Land Unter, aber es passt von der Gestaltung her einfach wunderbar.

Was müssen wir tun um zu gewinnen? Edelsteine sammeln, die am Ende der Runde in Punkte umgewandelt werden.

Wie kriegen wir die? Verhandeln.

…oha… Verhandlungsspiele sind normalerweise nicht so meins. Denn oftmals zieht das Verhandeln ein eh schon großes und langes Spiel einfach noch mehr in die Länge. Die für mich herausragenden Beispiele wo es gut funktioniert sind Löwenherz von Goldsieber, da wird nur ab und an mal verhandelt und dann auch nur um einen „Disput“ zu klären oder dann bei großen Spielen wie Twilight Imperium oder Dune, wo die Diplomatie eine wichtige Rolle spielt (die würden aber ohne Verhandeln um einiges kürzer sein, was auch nicht so schlimm wäre).

Basari dreht sich ausschließlich um’s Verhandeln und das ist für mich der Grund warum ich es mir mal anschauen wollte. Hier wird nicht mehr aus dem Spiel gemacht als es ist. Nein, es geht nur um’s Verhandeln und das in kurzer Zeit.

Jeder Spieler bekommt eine offene Basarkarte ausgeteilt und muss sich dann geheim für eine Aktionskarte entscheiden.

Die Aktionskarten dienen im Endeffekt als Aktionsauswahl und werden dann gleichzeitig aufgedeckt.

Aktion A steht dafür eine Karte vom Basarstapel zu ziehen und sie auf die bereits ausliegende zu legen (die abgebildeten Arbeiter müssen sichtbar bleiben und sind später wichtig)

Aktion B gibt so viele Siegpunkte wie die oberste eigene Basarkarte zeigt

Aktion C gibt dem Spieler die Edelsteine die seine eigene oberste Basarkarte zeigt

Hat jetzt ein Spieler alleine die Aktion ausgewählt darf er sie einfach ausführen, haben drei Spieler die gleiche Aktion ausgewählt gehen alle leer aus.

Haben aber zwei Spieler die gleiche Aktion gewählt wird verhandelt, wer die Aktion ausführen darf.

Hierbei gilt aber ein strikter Rahmen, damit das nicht zu sehr ausufert und am Ende noch Kinder, Geschwister, Spielzeuge oder Lebensmittel Gegenstand der Verhandlungen werden.

Der Spieler mit den meisten roten Edelsteinen macht das erste Angebot. Dieses muss entweder angenommen oder überboten werden. Man überbietet indem man entweder mehr Edelsteine bietet oder die gleiche Anzahl, dafür aber höherwertige. So geht es so lange hin und her bis einer der beiden akzeptiert. Wichtig: man keine Edelsteine in andere Farben wechseln und wenn eine Farbe leer ist, dann gibt es für den Rest der Runde eben keine mehr.

Sobald ein Spieler 15 Arbeiter vor sich versammelt hat endet nach der Runde der Durchgang.

Wer die meisten roten Edelsteine hat bekommt 14 Punkte, Gelb 12, Grün 10, Blau 8, danach muss derjenige die Hälfte dieser gewerteten Edelsteine abgeben. Haben mehrere gleich viele werden nur 2 davon abgelegt. Jeder Spieler der 15 Arbeiter hat bekommt 12 extra Punkte.

Dann werden alle Karten neu gemischt und insgesamt 3 dieser Durchgänge gespielt. Zum Schluss gewinnt der mit den meisten Punkten.

So… Verhandeln um zu verhandeln… Tja…

Also für mich war es hier echt ok. Hier macht das Verhandeln Laune. Zum einen weil man einen gewissen Rahmen hat und zum anderen auch, weil es nichts absolutes ist. Lasst mich erklären:

Bei anderen Spielen wird um Siegpunkte verhandelt, die man hat wenn man sie hat oder auch andere Vorteile die dann final vergeben sind. Auch sieht man bei den anderen Spielen das erreichte offensichtlicher. Ich habe einen Siegpunkt ergattert, fehlen noch 3. Sprich wenn ich bei 2 Siegpunkten bin und die anderen bei 0 oder 1 werde ich nicht mehr so leicht den einen bekommen.

Bei Basari ist das etwas anders, denn selbst wenn ich eine gewisse Menge an Edelsteinen habe macht diese Wertung alleine noch lange nicht das Kraut fett. Andererseits sind meine potenziellen Punkte nicht so offensichtlich wie bei anderen Spielen, weil ich erst noch die anderen zählen und die kommenden Aktionen mit einberechnen muss. UND es gibt unter Umständen auch mehrere Sieger. Somit habe ich dann doch wieder einen Anreiz mit dem führenden zu verhandeln.

Das wiederum ist der Spieldauer natürlich nicht zuträglich, dass hier aber die Spielzeit nach meiner Erfahrung auch wieder gut über der Angabe liegt, stört mich nicht, denn es kommt keine Langeweile auf und es geht eh alles so schnell, dass man auch mal bei einer hitzigen Verhandlung gerne zuhört.

Für mich eines der besseren Verhandlungs-Spiele, einfach weil es so klein ist, weil es schnell erklärt und schnell gespielt ist.

Ich mag Basari. Deswegen will ich es jetzt nicht jeden Tag oder jede Woche spielen, aber als kleines flottes Familienspiel macht es seine Sache richtig gut. Bei mir liegt es jedenfalls auf dem „beim nächsten Familienfest“-Stapel.

 

 

 

Roll One – A Board Game Story  Der Wöchentliche Blog Roll One – A Board Game Story, erscheint jeden Mittwoch neu, geschrieben von Mr.Schnizzl