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September 20, 2019

Abstrakte Spiele -oder- Schwarze Murmel schlägt gelbes Feld: Mühlenschach!

Schach, Go, Mühle, Dame, Backgammon. Spiele mit schwarzen und weißten Steinen und ohne jeglichen Anspruch an Optik und Haptik… Oooooooh, mit der Aussage ernte ich jetzt ganz viel Hass.
Das mit Optik und Haptik war jetzt natürlich etwas übertrieben ausgedrückt, denn viele abstrackte Spiele sehen zwar nicht spektakulär aus haben dafür aber eine schlichte Eleganz und sehen, ähnlich wie ein aufwändiges Schachset, im Regal einfach nur super aus. So als Designelement/Dekoobjekt.

Mir geht es eigentlich darum, dass viele Spiele die man so kennt und die wahrscheinlich jeder daheim hat (wir hatten es so ähnlich schon mal bei den Spielesammlungen) einfach langweilig aussehen, weil sie die selben schwarzen und weißen Scheiben verwenden oder auf den immer gleichen Gittern spielen. Dabei kann es auch anders gehen/aussehen, wie ich schon im oben erwähnten Beitrag über „Pyramid Arcade“ oder die 8 Spiele des GIPF Projects geschrieben habe.

Das ganz große Problem ist, dass viele dieses bekannte Erscheinungsbild abschreckt. Denn es sieht langweilig oder altbacken aus, weil man es eben sofort mit den Klassikern verbindet. Und genau das ist schade, denn allein für das Jahr 2019 finden sich aktuell 103 Spiele in der Kategorie „abstract strategy“. Das heißt es erscheinen in 2019 103 neue abstrakte Spiele, die noch nie jemand gesehen hat.
Jedes davon hat verdient mal getestet zu werden. So. Das musste gesagt werden.
Wie viele davon werden aber auch de facto ein größeres Publikum erreichen? Puh, ich denke, leider viel zu wenig und da muss ich mich an meine eigene Nase fassen.
Ja, auch ich spiele lieber irgendetwas was mich optisch anmacht, was ein geiles Thema hat, was keine Ahnung was noch…

Aber es zeigt sich einfach jedes Jahr, dass sich irgendein abstraktes Spiel zu einem Geheimtipp oder sogar einem modernen Klassiker entwickelt. Auch, die Nachfrage ist offensichtlich. Die reine Anzahl der Neuheiten spricht da für sich.

Azul. Sagt euch was? Das war der letzte Spiel des Jahres Gewinner. Azul ist ein abstraktes Spiel. Klar, geht es um irgendwelche Fliesen, bla, whatever. Man könnte auch Autos auf einen Parkplatz stellen oder Konservendosen aufräumen, interessiert kein Schwein… Aber das Spiel ist top. UND es sieht gut aus.

Abstrakte Strategie muss nicht immer gleichbedeutend mit abstrakter Kunst sein.

Die paar (zugegeben wenigen) Spiele die ich daheim habe (und empfehlen kann):

Tank Chess (2018) – Schach mit Panzern
Ubongo 3D (2009) – Ein Puzzlespiel mit 3D-Teilen
Santorini (2004) – Türme bauen und erklimmen
Tzaar (2007) – den Gegner bewegungsunfähig machen oder eine Sorte seiner Steine schlagen
Onitama (2014) – den gegnerischen König schlagen oder dessen Basis mit dem eigenen einnehmen

Ubongo 3D wird vermutlich durch Projekt L ersetzt werden sobald das dieses Jahr erscheint. Bei Projekt L müssen ebenso Puzzle gelöst werden, aber die verfügbaren Teile muss man sich (entfernt) deckbuilding-mäßig zusammensammeln.

Lange Rede kurzer Sinn.

Auch wenn sie optisch nicht so ansprechend sind wie der Haufen bunte Miniaturen im Spiel daneben, so sollte man doch einmal einen Blick auf die Abtrakten werfen, ansonsten könnte einem was echt gutes entgehen.

Mr. Schnizzl over and out.

Roll One – A Board Game Story  Der Wöchentliche Blog Roll One – A Board Game Story, erscheint jeden Mittwoch neu, geschrieben von Mr.Schnizzl