| Autor:In: | Jutta Pilgram |
| Zeichner:In: | Jutta Pilgram |
| Verlag: | Jaja Verlag |
| Genre: | Religion, Roman |
| Seiten: | 244 |
| Format: | Softcover |
| Preis: | 24,00 € |
Regina wächst in einem streng katholischen Elternhaus auf. In ihrem Schulalltag fühlt sie sich aufgrund ihrer religiösen Prägung fehl am Platz und hat Schwierigkeiten, Freundschaften zu schließen. Als eines Tages ein neues Mädchen in ihre Klasse kommt, soll sich das ändern. Die junge Muslimin wird zu ihrer besten Freundin, denn die beiden verbindet der feste Glaube an eine Religion. Als die beiden nach all der Zeit als erwachsene Frauen wieder aufeinandertreffen, erfahren sie, was damals der wahre Grund für den Bruch ihrer Freundschaft war.
Intrigen und Verrat
Im Laufe des Gesprächs wird klar, wie sie gegeneinander ausgespielt wurden, da ihre Freundschaft nicht in das religiöse Weltbild beider Familien gepasst hat. Dadurch entsteht ein gelungener Kommentar zu Religionen im Allgemeinen und dazu, dass sie sich im Kern gar nicht so sehr unterscheiden. Und wenn sie zu extrem werden, werden sie zu einem Problem und können sogar gefährlich werden. Das macht Jutta Pilgram sehr geschickt, indem sie das Ganze in eine Coming-of-Age-Geschichte verpackt. Dadurch ist das Thema zwar präsent, lässt sich aber sehr gut in die Handlung integrieren.
Glaube und seine Schattenseiten
Ich kann hier auch aus meiner persönlichen Perspektive sprechen. Als Kind bin ich ebenfalls katholisch aufgewachsen und habe alle Stationen durchgemacht. Doch schon früh habe ich gemerkt, wie wenig sich der Glaube mit meinem Leben vereinbaren lässt. Was mich am meisten gestört hat, war, dass ich während dieses Prozesses immer wieder auf streng Gläubige Menschen gestoßen bin, die sich gar nicht entsprechend der vermittelten Werte verhalten haben – und genau das spiegelt auch der Comic sehr gut wider. Nur wird es hier noch in einem verhältnismäßig harmlosen Kontext aufgezeigt und es ist „nur“ eine Freundschaft zerstört worden.
Hell und Dunkel
Glaub mir ist komplett in Schwarz-Weiß gezeichnet und koloriert. Die Künstlerin benutzt dabei meist einen eher dickeren Strich und einen skizzenhaften Stil. Die Optik würde ich jetzt nicht als Blockbuster bezeichnen, sie hat aber dennoch ihren ganz eigenen Charme und ist für das, was der Comic sein möchte, absolut stimmig und passend. Allerdings baut Frau Pilgram eine Besonderheit mit ein: Immer wenn sich etwas Böses oder sehr streng Religiöses in die Bilder schleicht, werden die Panels deutlich düsterer und dunkler, mit überwiegend schwarzer Farbe gezeichnet. Das setzt immer wieder sehr schöne Akzente, die die oben beschriebenen Punkte visuell untermauern. Ein starkes Stilmittel.
Mein Fazit:
Glaub mir erzählt eine Geschichte über Freundschaft, die aufgrund von Religion und Intoleranz zerbricht. Auch wenn es eine erfundene Geschichte ist, funktioniert sie so gut, weil sie im echten Leben tagtäglich genau so stattfindet – nur eben in anderer Form. Religion sollte nie die Grenze einer Freundschaft oder einer menschlichen Beziehung sein.
Auch der Coming-of-Age-Aspekt spielt hier sehr gut mit rein und macht die Geschichte nur noch nachvollziehbarer. Denn sie zeigt sehr gut, wie manipulierbar Jugendliche in Bezug auf den Glauben sind und wie das eigentlich gar nicht in ihr Weltbild passt. Leider fand ich das Ende nicht sehr gelungen; es hat für mich zu abrupt geendet.
Meine Bewertung:
8/10 kleine schwarze Bibeln
Hierbei handelt es sich um ein Rezensions-Exemplar.
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