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Wir beginngen das neue Jahr mal mit etwas anderem.

Für diesen Artikel bin ich nicht alleine verantwortlich, sondern es ist das erste Interview, das ich euch präsentieren darf.

 

Vielleicht habt ihr es ja mitbekommen, daber es gab im September letzten Jahres eine Crowdfunding-Kampagne auf startnext für den Würfelbecher in Erlangen, einen Platz wo man sich zum Spielen treffen kann, ein Brettspielcafé.

Wenn ihr euch noch nachträglich informieren möchtet, dann findet ihr die Kampagne hier: https://www.startnext.com/derwuerfelbecher

Wir haben es uns natürlich nicht nehmen lassen mal etwas genauer nachzufragen.

Mr. Schnizzl: Wie bist du auf die Idee gekommen? Was war die Inspirationsquelle?
 
Daniel: Die Idee schwirrt seit mehr als einem Jahr in meinem Kopf herum. Ganz ursprünglich hat
mich ein Hotel in Amsterdam darauf gebracht. Da gibt es „The Arcade Hotel“, das sich mit
seiner Ausstattung speziell an Gamer richtet. Ein tolles Konzept, wie ich finde. Aber ein
ganzes Hotel auf einmal stemmen ist schon sehr anspruchsvoll. Erst mal mit was Kleinerem
anfangen.
Aus dieser Grundidee hat sich so nach und nach das Café bzw. der Treff für
BrettspielerInnen entwickelt, vor allem als ich gemerkt habe, dass es in der Richtung schon
gut funktionierende Konzepte gibt. Brettspiele spielen ist ja im Grunde auch „Gaming“, nur
analoger.
 
In anderen Ländern, wo ein Brettspiel teurer ist oder wo das Spielen nicht so kulturell
verankert ist wie bei uns sind die Cafés und Clubs gut besucht. Woher kommt die
Überzeugung, dass das in der deutschen „Geiz ist geil“-Mentalität funktioniert? Wie
läuft es bei der „Konkurrenz“?
 
Bei der Konkurrenz läuft es super, so wie ich das beurteilen kann. Es ist natürlich nicht nur
die Tatsache allein, dass sie gezielt Brettspiele zum Testen anbieten. Man muss da denke ich
auch trennen zwischen Clubs bzw. Vereinen und Cafés. Die Spielegruppe im Erlanger E-Werk
oder der Verein Ali Baba in Nürnberg richtet sich meiner Meinung nach stark an Menschen,
für die Brettspiele wirklich ein Hobby sind, die sich also sehr intensiv damit beschäftigen. Bei
den Spielecafés ist das Publikum viel breiter, da sitzen auch viele „Casual Gamer“, wie man
so schön sagt. Die wollen sich einfach einen schönen Nachmittag oder Abend machen und
schauen eher auf das Gesamtpaket: eine professionelle Beratung bei der Spielauswahl, ein
guter Service, ein schönes Ambiente, leckere Getränke und immer wieder spannende Events.
Dafür zahlt man dann gerne ein bisschen Geld.
Dass alle nur nach dem Motto „Geiz ist geil“ gehen, ist finde ich ein Irrglaube, so wie in
vielen anderen Unterhaltungsbereichen. Die Menschen gehen weiterhin ins Kino, kaufen
Musik oder abonnieren Netflix. Man muss ihnen halt was bieten für ihr Geld. Das haben wir
im Würfelbecher auf jeden Fall vor.
 
Thema Konkurrenz: Was macht den Würfelbecher besonders?
 
Konzeptionell gesehen ist es finde ich die Mischung aus Verkaufsgeschäft und Brettspieltreff.
Man muss sich also nicht für das eine oder andere entscheiden, sondern kann im besten Fall
beides in einem Rutsch erledigen. Man kommt in den Laden, weil man von einem bestimmten
Spiel gehört hat, probiert es dann in aller Ruhe aus und ist danach so begeistert, dass man es
direkt mitnimmt. Das wäre quasi der Optimalfall.
Genau diese Mischung gibt es so noch
nicht im Raum Erlangen-Nürnberg. Das macht den Würfelbecher auf jeden Fall besonders.
Die Events im Würfelbecher sollen natürlich auch etwas Besonderes sein, genauso wie die
Spielauswahl. Gerade der Spielbereich lockt nochmal mit einer spezielleren Auswahl. Hier
findet man nicht nur aktuelle Titel, sondern auch so manche Perle aus der Vergangenheit oder
exklusive Kickstarter-Projekte, die man über den Laden gebackt hat, damit man als Erster
Zugriff darauf hat.
 
Die anderen bekannten deutschen Brettspielcafes „ZAMgwürfelt“ und „Würfel &
Zucker“ haben mit München und Hamburg größere Städte und somit auch ein größeres
Publikum gewählt. Warum ist die Entscheidung auf Erlangen und nicht auf Nürnberg
gefallen?
 
In Nürnberg hast du mit dem Ultra Comix schon einen sehr großen und etablierten Namen in
der Szene, gegen den du als Händler erst mal ankommen musst, neben all den Drogerien und
Buchhandlungen, die inzwischen auch Brettspiele verkaufen. Dazu gibt es den Verein Ali
Baba und das Haus des Spiels, die beide unglaublich viele spannende Sachen zu bieten haben.
In Erlangen ist meiner Meinung nach mehr Luft nach oben, was das Thema Brettspiele
angeht. Erlangen ist mir zudem wesentlich vertrauter als Nürnberg. Dort habe ich einst
studiert und verbringe ich immer noch gerne meine Freizeit. Hier fühlt es sich für mich
richtiger an. Das heißt ja nicht, dass uns keiner von außerhalb besuchen darf. Das Angebot im
Würfelbecher ist vielleicht so attraktiv, dass es auch Leute aus Fürth oder Nürnberg oder noch
weiter zu uns zieht. Es sind auf jeden Fall alle willkommen.
 
Was möchtest du im Würfelbecher neben dem Spielen an sich alles anbieten?
 
Mit Sicherheit wird es zu den Spielen die passenden Zubehörartikel geben oder den einen
oder anderen Merch. Damit der Aufenthalt vor Ort angenehmer wird, bieten wir ein gewisses
Angebot an Heiß- und Kaltgetränken sowie Snacks, je nach Tageszeit. Tagsüber eher Kuchen
und Süßigkeiten, abends auch mal was Herzhaftes.
 
Wie viele Plätze habt ihr zur Verfügung?
 
Es soll sieben bis acht Tische in verschiedenen Größen geben, an denen insgesamt etwa 35-40
Leute Platz haben sollen.
 
Im Video konntest du den Standort noch nicht verraten. Ist jetzt mittlerweile alles unter
Dach und Fach? Kannst du uns jetzt schon verraten wo dein Laden sein soll?
 
Ganz unter Dach und Fach ist es leider immer noch nicht, aber die Aufmerksamkeit liegt ganz
klar auf einem Standort, nämlich die Hauptstraße 50 in Erlangen. Mit der Lage wären wir
super an den ÖPNV angebunden und der Hauptbahnhof ist nur etwa 5 Gehminuten entfernt.
Und um uns herum gibt es viele andere individuelle Geschäfte wie den Würfelbecher, keine
Mainstream-Ketten. Ich finde, da passen wir super rein.
 
Wie sieht es mit der Zugänglichkeit aus? Sprich, kann ich einfach mit meiner eigenen
Spielegruppe aufschlagen oder müssen sich größere Gruppen anmelden? Sind
Veranstaltungen oder regelmäßige Events geplant und wenn ja, welche? Sowas wie
Friday Night Magic oder Warhammer Turniere oder ähnliches.
 
Ob man sich anmelden muss oder nicht, das hängt letzten Endes von der Nachfrage ab. Bei
größeren Gruppen empfehle ich immer eine Reservierung, ähnlich wie in der Kneipe. Dann
bin ich auf den großen Andrang vorbereitet und kann die Gruppe entsprechend betreuen. Für
Events sollte mal sich auf jeden Fall vorher anmelden, da sie oft auf eine gewisse Zahl an
MitspielerInnen ausgerichtet sind. Turniere zum Beispiel. Die werden mit Sicherheit ein
regelmäßiger Bestandteil sein, aber nicht nur bewährte Formate wie die Magic-Turniere.
Mich reizt es, gerade bei Brettspielen neue Turniere oder Turnierserien zu etablieren. Bei „Die
Siedler von Catan“ zum Beispiel gibt es regelmäßig Deutsche Meisterschaften oder gar Welt-
und Europameisterschaften. Daran will ich mich auf jeden Fall mit einem
Qualifikationsturnier beteiligen. Ein Abend in der Woche ist auch fest als „Mottoparty“
vorgesehen, sprich: Der Spieleabend fokussiert sich auf ein gewisses Genre, das sich
regelmäßig abwechselt. Das können mal Escape Games sein, mal Social Deduction-Spiele
wie Werwolf oder ein klassischer Quizabend. Vieles ist möglich. Ich glaube, an Ideen für
Events mangelt es nicht. Und was Tabletop angeht, da wird mit Sicherheit auch das eine oder
andere Event stattfinden.
 
Wie flexibel seid ihr was Kundenwünsche angeht? Wenn jetzt zum Beispiel eine Gruppe
ein regelmäßiges Ligaspiel bei euch veranstalten will wie zum Beispiel mit Formula D
oder Baseball Highlights oder Blood Bowl…
 
Ligen oder Turnierserien passen grundsätzlich super zum Würfelbecher. Ich bin da jemand,
der sich gerne überzeugen lässt. Wenn mir das Spiel gefällt und es genug Nachfrage für eine
regelmäßige Ausrichtung gibt, dann nehme ich es gerne in das offizielle Eventprogramm auf.
Da wird sich mit der Zeit sicher noch einiges ergeben.
 
Kannst du deine Preisgestaltung vielleicht schon ein wenig konkretisieren?
 
Bei der Ludothek wird auf jeden Fall mit Fixpreisen gearbeitet. Das heißt: Wenn jemand
etwas im Würfelbecher spielen will, dann zahlt er einmalig einen gewissen Betrag und hat
dann für die Zeit seines Besuchs eine Spieleflatrate. Er kann dann so lang und so viel spielen
will, wie er möchte. Der Standardpreis pro Person wird maximal bei 5 € liegen, so viel kann
ich sagen. Und es sind insgesamt drei Preisklassen geplant, eine zweite für SchülerInnen,
Studierende, RentnerInnen und ErlangenPass-BesitzerInnen und eine dritte für Jugendliche
und Kinder unter 14 Jahren. Wie hoch die einzelnen Preisklassen sind, da habe ich mich noch
nicht endgültig entschieden. Für größere Spielgruppen wird es aber sicherlich auch einen
Mengenrabatt geben.
 
Kann ich eigene Spiele mitbringen oder bin ich an eure Ludothek gebunden?
 
Dass die Leute selbst Brettspiele mitbringen, ist nicht vorgesehen. Das Angebot in der
Ludothek wird hoffentlich so attraktiv sein, dass für jeden etwas Passendes dabei ist. Klar, bei
Kartenspielen wie Magic, wenn zwei Freunde mit ihrem eigenen Deck spielen wollen, kann
man natürlich ein Auge zudrücken. Und ich bin im Zweifel immer offen für Anregungen,
wenn es um neue Titel für die Ludothek geht.
 
Wie groß ist euer Team oder bist du eine One-Man-Show?
 
Die Arbeit im Vorfeld liegt in erster Linie bei mir, aber später im Laden werde ich sicher nicht
alleine stehen. Ein paar MitarbeiterInnen wird es brauchen. Wer da Interesse hat, kann sich
gerne melden.
 
Wird es Kooperationen mit verschiedenen Verlagen geben? Vergleichbar mit den Store-
Exclusives von Pegasus?
 
Definitiv. Exklusivität ist mir sehr wichtig beim Würfelbecher, sowohl bei den Events als
auch bei der Spielauswahl im Verkaufsbereich. Kooperationen sind da ein sehr gutes Mittel.
 
Vielen Dank, Daniel, für deine Zeit und die ausführlichen Antworten.
 
 

Wir bleiben natürlich dran und wenn ihr den Würfelbecher besuchen könnt werden wir ihm natürlich auch mit der Kamera einen Besuch abstatten.

 

 

 

 

 

Roll One – A Board Game Story  Der Wöchentliche Blog Roll One – A Board Game Story, erscheint jeden Mittwoch neu, geschrieben von Mr.Schnizzl

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