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November 30, 2020

Das krieg ich im Leben nicht gespielt. -oder- Wann ist groß zu groß?

Viele Spiele auf Kickstarter werben mit immer mehr immer mehr immer mehr. Gleich zu Beginn sind schon Erweiterungen dabei, voller Stolz werden Zahlen von einzelnen Komponenten beworben X counter Y Spielsteine Z Miniaturen, immer mehr Projekte liefern das Material in unzähligen Boxen aus…

 

Bei wargames ist das nichts neues. Monstergames gibt es da schon immer und zwar in jeder nur erdenklichen Kategorie:

 

Es gibt Spiele die kosten Preise die sind jenseits von gut und böse: DAK2: The Campaign in North Africa, 1940-1942 liegt bei über 400 USD (zugegeben Sammlerpreis, aber auch im Retail zum Beispiel kostet Atlantic Wall von Decision Games 240 USD oder gar die Spiele von The Knowledge Company the bei 300+ Pfund beginnen)

War in the Pacific hat fast 9000 counter und somit für jede einzelne Einheit des Pazifikkriegs einen Counter

World of Flames hat ein map pack  das die Spielfläche von einem normalen Tisch auf vollkommen absurde 2,7m x 6,4m erweitert

Das oft genannte und auch oftmals vergötterte Campaign for North Africa hat eine Spielzeit 1000h und geht so weit ins Detail, dass es Regeln für Pasta-bedingten erhöhten Wasserverbrauch bei Italienern gibt. Kein Scheiss.

Wo wir schon bei Regeln sind: Advanced Squad Leader hat so viele Regeln, dass es vom Publisher leere Ordner gibt in denen die Regeln eingeheftet werden können. Denn mit jeder Erweiterung werden die bestehenden Regeln ein kleines bisschen erweitert. Lt. BGG gibt es aktuell 451 Stück und es ist kein Ende in Sicht.

 

Das aktuell größte Einzelspiel das ich kenne ist Mare Nostrum II von The Knowledge Company. Geplanter Retailpreis 750 Pfund für Vorbesteller nur 525. Über 50 einzelne Maps und 20 Countersheets decken ganz West, Nord und Ost-Afrika sowie den mittleren Osten und das Mittelmeer im Zeitraum von Juni 1940 bis zur Kapitulation der Achsenmächte in Nord Afrika ab.

Aber das ist nicht genug, denn alle Spiele aus der so genannten TSWW Diffraction Reihe können alle miteinander kombiniert werden und ergeben somit eine vollständige Sammlung sämtlicher Schauplätze des zweiten Weltkriegs, mit einem Maßstab von 15 Meilen pro Hex.

 

Ok, ich weiß gar nicht wo ich genau anfangen soll bzw. was mich am meisten einschüchtert. Da braucht man doch dann ne ganze Turnhalle dafür oder? Egal…

Ich schwanke momentan noch zwischen Faszination und Furcht.

Mir stellt sich jedenfalls die Frage: Ist das ernst gemeint oder ist das nur ein riesiger Witz, den sich der Publisher da ausgedacht hat? Gibt es Leute die sowas spielen? Gibt es Leute die diese Unsummen in die Hand nehmen? Ist das ganze überhaupt wirklich und realistisch spielbar? Und natürlich auch: ist das gut?

 

Kommen wir zurück zur Eingangsfrage. Ab wann ist ein Spiel zu groß?

Nun, das hängt immer von den Gegebenheiten ab, doch gehen wir mal zurück zu meinen oben genannten Beispielen:

Der Preis hängt meistens von der Auflage ab und die beläuft sich auf Printruns im 3 bis 4 stelligen Bereich. Da gibt’s nichts mit Masse drückt den Preis. Selbst bei Imperial Struggle, dem größten P500 Erfolg von GMT, waren es nur ca. 5200 Spiele die bestellt wurden. Wie viele GMT dazu noch hat drucken lassen weiß ich leider nicht, ist aber irrelevant um ein Gefühl für das Größenverhältnis zu kriegen.

War in the Pacific mit 9000 countern ist sehr detailliert, hat aber dennoch nur eine Spielzeit von 8 Stunden, das ist an einem sehr langen Tag oder einem Wochenende zu spielen.

Die Map Größe von World of Flames ist im von mir genannten Beispiel nur das Deluxe-Set und kann auch in normaler Größe gespielt werden und ist in der Deluxe Variante eher etwas für Conventions wo mehrere Spieler gemeinsam das Ding bespielen. Vergleichbar mit Mega Civilisation.

Campaign for North Africa von Richard Berg war lt. Aussage eines guten Freundes von ihm, Mark Herman, auch eher nur der Versuch zu sehen wie weit man gehen kann. Hierzu noch eine kleine Anekdote: Ein Spieler hat bei Richard Berg mal reklamiert, dass eine Regel so nicht korrekt sei, denn die verzerre nur das historische Geschehen und sie sei in Variante X oder Y viel realistischer. Kurzum das Spiel ist Blödsinn so. Bergs Antwort soll lt. Mark Herman gewesen sein: „Du hast es falsch gespielt. Spiel es nochmal richtig, dann reden wir gerne darüber.“ Das bei einer Spielzeit von Wochen.

Die Regelflut von ASL ist auch ein bisschen relativierbar. Denn zum einen sind die Regeln von den Szenarien abhängig, denn das Grundregelwerk sind nur wenige Seiten, und zum anderen ist es ein schleichender Einstieg. Sie werden nur langsam von Runde zu Runde mehr, man muss das nicht alles im Voraus wissen.

 

Also ihr seht. Es ist zum einen immer eine Sache des Kontexts und zum anderen liegen die Grenzen immer bei jedem persönlich. Jedenfalls konnte ich euch mal ein paar der abgefahrensten Zahlen zum Thema wargaming nennen…

…und dabei habe ich mit Tabletop Wargaming wie bei Warhammer 40K noch gar nicht angefangen, denn da reden wir von ganz anderen Summen, zeitlich wie monetär.

 

 

Roll One – A Board Game Story  Der Wöchentliche Blog Roll One – A Board Game Story, erscheint jeden Mittwoch neu, geschrieben von Mr.Schnizzl