Eine der größten Überraschungen in letzter Zeit war die Wing Leader Reihe:

Victories 1940-1942 mit der Erweiterung Blitz 1939-1942 und Supremacy 143-1945 für das ebenfalls eine Erweiterung erscheint: Eagles 1943-1945

Diese Spiele beschäftigen sich mit verschiedenen Luftschlachten während des Zweiten Weltkriegs. Aufgrund der sehr guten und ausführlichen Recherchearbeit die vom Designer Lee Brimmicombe-Wood geleistet wurde ist der Detailgrad bei den Flugzeugen, den Regeln und auch den Szenarien unglaublich hoch. Auf der Seite des Publishers GMT Games findet man links zu einem Blog, den der Designer während der Arbeit an Wing Leader angefangen hat und auch zu seiner Homepage auf der das alles weitergeführt wird.

Es hadelt sich um ein zwei Spieler Spiel bei dem ein Spieler die Rolle des Angreifers und der andere die des Verteidigers übernimmt. Da es sich um historische Szenarien handelt sind die Rollen vorgegeben, aber die Nationalitäten die in den verschiedenen Szenarien auftauchen sind genauso vielzählig wie die Flugzeugtypen die im Spiel vorkommen.

In seinem Designblog schreibt Lee, wie er zu der Idee kam. Einer der Beweggründe war, dass er italienische Flugzeuge spielen wollte, die es aber in kaum einem Spiel gibt, weil sie so schön bemalt waren. Um das aber richtig wertschätzen zu können muss man die Flugzeuge von der Seite sehen können…
…die kombiniert mit einem Spiel aus den 70ern und schon war die Idee von Wing Leader geboren. Ein Spiel das entgegen der üblichen Darstellung wie ein Sidescroller funktioniert. Und wenn man darüber nachdenkt, dann macht das auch Sinn. Denn im Luftkampf ist es doch (jetzt für mich als Laien) doch weniger relevant ob sich ein möglicher Feind rechts oder links von mir befindet als in welcher Höhe, ob ich unter ihm bin und er mich nicht sieht, ob er über oder unter den Wolken fliegt oder ob er mich nicht sehen kann weil ich für ihn „in der Sonne“ bin, sprich die Sonne ihm blendet wenn er versucht mich zu erspähen.

Das ist nicht nur der optische Reiz des Spiels, nein, auch taktisch ergeben sich hier so viele Möglichkeiten, wie Löcher in einer von Flakfeuer zerfetzten Avro 683 „Lancaster“.

Das Material ist … gut … Die Aircraft Data Cards sind eher schon dicke Papp-Tafeln als Karten, die Counter sind wunderschön gemacht aber leider wargame-typisch schlecht gestanzt, sprich clipping necessary, die Karte ist leider ein Papierraster, welches aber in Supremacies (dem Titel der als 2. erschienen ist) schon durch ein normales Spielbrett ersetzt wurde und das Regelwerk ist auch top. Klar, man muss sich an das wargame design gewöhnen und es ist viel zu lesen und zu lernen, aber es ist auf jeden Fall super gemacht. Die Spielerhilfen sind auch top.

Die wirkliche Überraschung war dann aber die Möglichkeit es solo zu spielen. Viele Wargames werden solo gespielt, indem man einfach beide Seiten möglichst gut spielt. Pffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffffff. Was ne scheisse.
Nee, das is nix für mich. Wenn dann will ich doch versuchen meinen Gegner mit Finten in die Irre zu locken. Geht schlecht, wenn der fintendende auf das gleiche Gehirn zugreift wie der gefintete.
Warum das hier aber trotzdem hervorragend funktioniert ist die Realitätsnähe.

Der Angreifer hat eine Mission. Bomber bombardieren, Jäger schützen oder machen den Weg frei. Sprich der Weg des Angreifers ist ERSTMAL vorbestimmt. Der Verteidiger wiederum muss überlegen wie er den Angreifer am besten abfängt, baut demenstprechend auf und folgt dann auch erst mal dem Ziel, das er sich selber setzt. Sobald dann der erste Feindkontakt zustande kommt, when the shit hits the fan, dann geht’s los, es wird ein Spiel aus Aktion und Reaktion… und vor allem gibt es ab jetzt kein Bluffen mehr und der Spielverlauft ist und bleibt plausibel. Es wird nicht game-y wie bei anderen Spielen wo man Dinge macht weil sie im Spiel so funktionieren.

Einfach ein hervorragendes Spiel. Mehr kann ich nicht dazu sagen.

Wem die, keine Ahnung, 20+ Szenarien pro Version nicht reichen, der kann jeweils noch auf eine Erweiterung zurückgreifen (oder kostenlos auf Lee’s Homepage weitere Szenarien downloaden) die eine ganze Kampagne beisteuern. In Blitz stoßen die Deutschen nach Russland vor und in Eagles werden sich die USA und Japan die Köpfe einschlagen.

Wer was mit dem Thema anfangen kann erlebt hier etwas ganz großes.

„Tally Ho!“

Roll One – A Board Game Story  Der Wöchentliche Blog Roll One – A Board Game Story, erscheint jeden Mittwoch neu, geschrieben von Mr.Schnizzl