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Dezember 15, 2019

Wargame Tagebuch Folge 9 -oder- Vom gescholtenen Maultier zum edlen Schimmel

Boah Schniiiizzellll watt willlste jetz schon wieda?

Won by the Sword

 

Es war einmal ein Mann namens Ben Hull, der hat ein interessantes Spiel zum Thema 30 Jähriger Krieg entwickelt. Das Spiel war so gut, dass es ein großer Brettspielverlag namens GMT Games das Spiel im Jahre 2014 herausgebracht hat. Leider waren die Fans aber ganz und gar nicht begeistert davon und sind mit Fackeln und Mistgabeln vor den Firmensitz gepilgert und haben so lange Klingelstreiche gemacht bis GMT 2016 ein Update Kit ausgegeben hat… Nur leider kam das für viele Leute zu spät und die haben sich in der Zwischenzeit auf das nächste Spiel gestürzt. Und so geriet das arme Won by the Sword in Vergessenheit. Ob zu recht oder zu unrecht, dessen wollen wir uns jetzt annehmen.

 

Als ich mich nach einem wargame über den 30 jährigen Krieg umgesehen habe, habe ich gar nicht mal so viel gefunden wie man denn vermuten mag.

Klar es gab schon ein paar aber vieles davon hat mich irgendwie nicht angesprochen. Bis mir dann Won by the Sword empfohlen wurde.

Es kam natürlich gleich der Hinweis zur verkorksten Erstveröffentlichung aber dennoch hab ich mich nicht abschrecken lassen.

 

Die zeitliche Epoche passt, vor allem weil die zahlreichen Kampagnen und Schlachtstzenarien mehrere Jahre abdecken 1632 – 1648.

Wallenstein und Gustav Adolf sind dabei, also die beiden glorreichen Generäle dieses Krieges.

Und das Highlight ist die Region, das Spiel konzentriert sich auf Süddeutschland, also quasi unsere Nachbarschaft. Ja, und wenn ich ganz genau hinschaue kann ich sogar mein Haus sehen… Naja, fast.

 

Da es nun so einen miesen Ruf angeheftet bekommen hat habe ich das Spiel neu zu einem unverschämt günstigen Preis gefunden und mir gedacht, „Na da kann man doch nix falsch machen.“

 

Die Regeln sind mit 16 Seiten nicht wirklich umfangreich und auch ziemlich eingängig. Die ersten Regelfragen stellen sich dann beim Aufbau und der ersten Runde. Hier muss man leider sagen, dass auch die Überarbeitung kein grandioses Regelwerk schaffen konnte. Aber es wäre doch gelacht, wenn wir nicht mit einem schwierigen Regelwerk zurecht kämen. Gell, Robinson Crusoe? D-Day at Tarawa?

 

Won by the Sword ist ein Spiel mit Point-to-Point movement und nem ziemlich großen Blickwinkel. Wir bewegen unsere 1-4 Armeen mittels Karten über die Weltkarte. Ähnlich wie bei Twilight Struggle oder Barbarossa to Berlin agieren wir mit Aktionspunkten und Ereignissen, nur im Unterschied zu den anderen beiden wird hier eine Karte komplett verwendet. Nicht nur für Aktionspunkte oder das Ereignis.

 

Die großen Besonderheiten bei dem Spiel sind für mich

-das Kampfsystem: dieses ist so weit abstrahiert, dass nicht einzelne Einheiten gegeneinander kämpfen sondern die Regimenter werden auf einem separaten Schlachtfeld positioniert und tragen dort drei Einzelkämpfe aus. Der Ausgang der beiden Flanken wiederum hat dann aber Auswirkungen auf das Hauptschlachtfeld in der Mitte.

 

-die Belagerung der Orte: Hier winken die dicken Siegpunkte. Nicht die gewonnene Schlacht bringt die große Ausbeute sondern das Erobern von Städten und Festungen. Da aber ein blinder Ansturm gegen die Mauern nur wenig erfolgsversprechend ist wurde hier die Belagerung sehr detailliert (aber dennoch einfach abzuhandeln) dargestellt. Die Frage ist nicht OB eine Belagerung erfolgreich ist sondern WANN sie erfolgreich ist. Und so werden rundenlang Belagerungsmaschinen erbaut, Ausfälle oder Leiterstürme (Gibt’s das Wort?) versucht bis schlussendlich irgendwann der Belagerte aufgibt oder der Belagerte verhungert, denn…

 

-die Versorgung der Truppen: Jede Armee muss versorgt werden und hier ganz besonders. Sobald man die Belagerung beginnt bindet man quasi die Belagerungsarmee an den Ort des Geschehens, sprich man braucht jemanden der, am besten als Kavallerieregiment, die Umgebung  unsicher macht und Vorräte für die Belagerungsarmee beschafft. Je größer die Armee desto mehr und schneller verbraucht sie ihre Rohstoffe und das was man braucht holt man sich halt mal bei der Bevölkerung.

Und so werden die umliegenden Orte geplündert, egal ob verfeindet oder befreundet. Denn wenn die gegnerische Armee vor der Tür steht dann will man der doch keine Nahrungsmittel lassen. Also sichert man vorher schon mal was die eigene Bevölkerung hat, damit es nicht dem Feind in die Hände fällt.

Das Versorgungswesen ist für mich die größte Besonderheit, da es nicht nur eine andere Herangehensweise fordert (Armee belagert, kleine Gruppe plündert und versorgt damit die Armee) sondern auch die Frage, wann plündere ich wo, damit ich möglichst viel davon habe, meinem Gegner aber möglichst viel damit schade. Außerdem muss ich aufpassen, dass ich nicht zu viel plündere und die Vorräte zu schnell verbrauche und später, wenn ich neue benötige in die Röhre schaue, weil sich die Bevölkerung noch nicht von der letzten Plünderung erholt hat.

 

All das führt zu einem spannenden Spiel bei dem die Logistik und die Versorgung wichtiger ist als die reine Anzahl von Soldaten.

Die Spielzeit ist „relativ“ variabel von 2-3 Stunden für eines der 8 mitgelieferten Schlachtszenarien bis zu 6-8 Stunden für eine der 7 Kampagnen.

 

Mir bereitet das Spiel jedenfalls eine Menge Laune und ich bin gespannt wie sich die anderen Szenarien so spielen.

In meinen Augen ein zu Unrecht vergessener Schatz.

Leute, geht und kauft das Spiel. Am besten direkt bei GMT damit die mitkriegen, dass es ein gutes Spiel und gefragt ist!!!11

 

 

Roll One – A Board Game Story  Der Wöchentliche Blog Roll One – A Board Game Story, erscheint jeden Mittwoch neu, geschrieben von Mr.Schnizzl